Flirt der Feindseligkeiten

 

 Toulouse

Silvia entscheidet sich für Gin aus der Minibar, denn: "Ich habe Lust, etwas zu bereuen!" Das kennen viele.
Aber Silvia wird nicht nur den Gin bereuen. Soweit sie am Ende überhaupt noch etwas bereuen kann nach diesem verhängnisvollen Treffen mit ihrem Exmann Gustav.
Mehr bereut nämlich wahrscheinlich Gustav. Die beiden haben sich in einem französischen Hotel am Meer verabredet: 19 Jahre, nachdem sie erstmals dort Zeit verbracht haben. Wie sich zeigt, kommt jeder mit einer anderen Absicht. Gustav würde sich schon darauf freuen, seine Ex wieder einmal gepflegt flachzulegen, während Silvia an der ultimativen Rache dafür, dass sie ihr Leben an einen treulosen Egomanen vergeudet hat, arbeitet. Gustav hat mittlerweile eine andere - natürlich viel jüngere - Frau, der er erzählt hat, dass er in Toulouse bei einer Konferenz ist. Dabei trifft sich gut, dass die neue, viel jüngere Frau Frankreich hasst - wegen der Franzosen. Weniger gut trifft sich, dass dieses wohlgeplante Alibi buchstäblich weggesprengt wird, als ein Attentäter das Konferenzzentrum, in dem sich Gustav mutmaßlich aufhält, in die Luft jagt und dem Tête-à-Tête gleich einmal eine ganz andere Dynamik gibt.

Sona MacDonald brilliert als Frau, der das Leben mehr versprochen hat, mit katzenhaften Feindseligkeitslaunen.
Einmal streicht sie flirtend um Gustav, dann wieder haut sie ihm die Handtücher um die Ohren. Ihre Gemütslage kann sich innerhalb eines Satzes ändern, aber ohne Hysterie, sondern mit einer subtilen, komödiantischen Schubumkehr.
Was Psychologen passive Aggression nennen, dafür hat Sona MacDonald in der Rolle der Silvia das perfekte Lehrmodell geschaffen.
Schalkos bösartig-allgemeingültige Sätze wie "Ich finde dich auch unterhaltsam, seit ich dich nicht mehr ernst nehme", die sie Gustav lässig entgegenschleudern kann, helfen aber auch.
Und das Timing der beiden Schauspieler ist von beglückender Unterhaltsamkeit.



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