Cavalleria Rusticana



 

Es ging dem Wiener Publikum um Elīna Garanča, und man wurde wahrlich nicht enttäuscht. Wenn man bedenkt, dass ihr vor 16 Jahren, im Jänner 2003, Ioan Holender mit der Lola in der “Cavalleria” ihre erste Chance in Wien gab – und wie weit hat sie es in dieser gar nicht so langen Zeit gebracht! Vom hübschen leichten Mezzo nun zur ganz großen Tragödin mit der immer noch schlanken, aber potenten und nie überfordert klingenden Stimme.

Und eine überzeugende Darstellerin ist sie auch. Da muss nur das “Cavalleria”-Vorspiel erklingen, da hetzt sie über die Bühne, duckt sich, um ihren Geliebten Turridu mit der Rivalin (eben jener Lola) zu beobachten, wird von ihrer Eifersucht gebeutelt, zeigt sich gleicherweise als Außenseiterin von den Dorfbewohnern ausgegrenzt – alles nur stummes Spiel: Sie hat noch keinen Ton gesungen, und schon hat diese schlanke, schöne Frau mit dem rötlichen Haar ihre ganze Figur körpersprachlich auf die Bühne gebracht.

Und dann singt sie – und erfüllt die Santuzza mit einer leidenschaftlichen Energie, die man noch an keiner ihrer Figuren (nicht an der Pariser Eboli, nicht an der Dalila) wahrgenommen zu haben meint. In all den Nuancen zwischen Bitten, Hoffnung und Demütigung, zwischen dem Zorn, in dem sie den Geliebten verrät, und der Starre, als niemand seinen Tod aufhalten kann, weiß die Elīna Garanča jede Sekunde, was sie tut, und kann es vermitteln, ohne billiges Theater zu machen.

Unsere großen Santuzzas in Wien seit Simionato, Cossotto, Bumbry, Baltsa waren dunkle Mezzos, aber die Partie liegt verhältnismäßig hoch, auch die Rysanek hat darin brilliert. Und man weiß, dass die Stärke der Elīna Garanča (die glücklicherweise mittlerweile dunkler klingt als früher) eher in der Mittellage und der Höhe als in der Tiefe zu orten ist, wo die Stimme eher flach wird. Kurz, die Rolle liegt ihr auch ideal in der Kehle – und der Gesamteindruck ist schlechtweg fasziniernd, dabei nie kraftprotzend auftretend. Schlank in jeder Hinsicht.


Renate Wagner


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