Aus tränenvollen Morgenwolken lacht
hervor das Purpurangesicht der Sonne.

Adonis geht ans Waidwerk, denn die Jagd
ist seine Lust, sein Spott die Liebeswonne.

Ihm nach eilt Venus lodernd vor Begehren,
ihm offen ihre Liebe zu erklären.

Der Durst des Wandrers in der Mittagsglut
ist nicht mit ihrem Lechzen zu vergleichen.
Sie badet in der heißersehnten Flut
und kann sie mit dem Munde nicht erreichen.
O Knabe Kieselherz, sein nicht so spröde!
Ich will nur einen Kuss, was bist du blöde!

Sie sinkt wie tot vor seinem Blicke nieder
denn Liebe lebt und stirbt durch einen Blick.
Was Zorn verwundet, heilt ein Lächeln wieder
und Seeligkeit wird dann das Missgeschick.
In seiner Einfalt hält er sie für tot,
klopft ihre Wangen, macht sie klopfend rot.

Schon wieder, ruft Adonis voll Verdruss,
suchst du die alte Leier anzustimmen,
vergebens also gab ich dir den Kuss?
Umsonst bemühst du dich stromauf zu schwimmen.
Beim Schoß der Nacht, der Mutter aller Laster,
durch dein Geschwätz wirst du mir noch verhasster.

So rief er aus, indem er sich entriss
den Armen, die ihn warm und weich umschlangen.

Von hinnen eilt er durch die Finsternis
und überlasst die Göttin ihrem Bangen.

Verschwunden ist er wie vom Himmelszelt,
ein heller Stern erlöschend niederfällt.

 

(William Shakespeare)