Carminho


...so gigantisch wie das Meer...



In ihrer Heimat gilt die charismatische Sängerin Carminho alias Maria do Carmo de Carvalho Rebelo de Andrade als der neue weibliche Fado-Star. Von manchen Kritikern wird sie bereits als Nachfolgerin der 1999 verstorbenen großen Amalia Rodrigues gesehen.

Carminho: „Ich glaube nicht an einen neuen Fado. Fado ist Fado und daran sollte und kann man nichts ändern. Fado ist viel bedeutender als ich und alle anderen Fado-Sängerinnen und Sänger es je sein werden. Fado ist so gigantisch wie das Meer.“

Carminhos Mutter ist die in Portugal bekannte Fado-Sängerin Teresa Siqueira. Ihr Vater ist ebenfalls Musiker. Klar also, dass Musik in diesem Elternhaus schon immer eine große Rolle spielte.

Carminho: „Meine Eltern veranstalteten regelrechte Fado-Sessions bei uns zuhause. Mit sechs, sieben Jahren, habe ich dann die CDs von meiner Mutter, von Amalia Rodrigues und von anderen Fadista gehört. Aber auch die von Maria Callas, „Queen“ oder „R.E.M.“. Es war eine bunte Mischung zwischen Techno und Klassik. Mit zwölf habe ich dann begriffen, welche große Bedeutung der Fado für das Leben in Portugal hat.“

Heimliche Liebe zum Fado

Als junges Mädchen hat Carminho ihre Liebe zum Fado vor ihren Freundinnen und Freunden verborgen. Erst mit fünfzehn, sechzehn, hatte sie den Mut, ihnen ihre große Leidenschaft zu offenbaren. Sie lud sie in die Fadoclubs ein, in denen sie sang und sich ihr Taschengeld aufbesserte. Und siehe da, ihre Freunde waren begeistert. Und nicht nur sie. Auch die Schallplattenindustrie streckte ihre Fühler nach dem jungen Talent aus und wollte die Fadista unter Vertrag nehmen. Doch Carminho lehnte ab. Sie absolvierte erst einmal ein Studium im Bereich Werbung und Marketing und nahm eine Auszeit.

Carminho: „Das Studium an der Universität war großartig verlaufen, aber trotzdem fühlte ich mich damals total unglücklich. Ich wollte zu mir selbst finden, fühlte mich zu behütet. Meine Rebellion mündete in dem Entschluss, ein Jahr lang, nur mit einem Rucksack ausgestattet, durch die Welt zu ziehen und für Hilfsprojekte zu arbeiten. Ich habe dadurch tatsächlich zu mir selbst gefunden und mir wurde meine Berufung klar wie nie zuvor. Ich spürte den Fado tief in meiner Seele.“